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Aug 22

200-Tage-Linien Strategie mit 5% Kriterium

KalenderDie 200-Tage-Linie Strategie, die beim virtuellen Depot verwendet wird, basiert auf dem 3%-Kriterium. D.h. ein Verkauf der Wertpapiere erfolgt erst nachdem der DAX-Kurs mindestens 3% unter die 200-Tage-Linie gefallen ist. Analog erfolgt ein Neueinstig erst, sobald der Kurswert mindestens 3% über der 200-Tage-Linie notiert.

Vor kurzem kam der Hinweis, dass bei Euro-am-Sonntag die 200-Tage-Linien Strategie mit einem 5%-Kriterium eingesetzt wird, verbunden mit der Frage, welche Strategie erfolgreicher ist.

Ein klarer Fall für einen Backtest, da sich die Frage ohne Daten nur schwerlich beantworten lässt. Was wir aber im Vorfeld machen können, sind eine Überlegungen zu den beiden Versionen der 200-Tage-Linien Strategie.

Vorüberlegungen zu den 200-Tage-Linien Strategien mit 3% und 5%-Kriterium

Ein Grund, warum die Frage nicht aus dem Stegreif beantwortet werden kann, liegt darin begründet, dass beide Varianten ihre Vor- und Nachteile haben. Eigentlich ist es jeweils nur ein Vor- und ein Nachteil:

  • Vorteil des 3%-Kriteriums ist, dass die Signale früher gebildet werden. Bei einem Verkaufssignal wird früher und dadurch in der Regel zu einem höheren Kurs verkauft, bei einem Kaufsignal wird  früher und dadurch in der Regel zu einem tieferen Kurs gekauft.
  • Was der Vorteil des 3%-Kriteriums ist, ist gleichzeitig sein Nachteil: Fehlsignale werden nicht so schnell erkannt wie beim 5%-Kriterium. Fällt der Kurs beispielsweise 3,1% unter die 200-Tage-Linie und steigt anschließend wieder, so wird erst bei einem Kurs von ab 3% über der 200-Tage-Linie wieder gekauft. Dadurch hat die Strategie rund 6% Performance eingebüßt (lässt sich theoretisch nicht ganz genau bestimmen, da der Wert der 200-Tage-Linie sich täglich ändert).

Anzahl der Kauf-/Verkaufssignale beim 3% und 5%-Kriterium

Werfen wir einen Blick auf die Anzahl der Käufe und Verkäufe für beide Versionen im Zeitraum vom 02.01.2007 bis zum 19.08.2018.

 

Typ Bezeichnung Anzahl Käufe Anzahl Verkäufe
       
1 mit 3%-Toleranz ohne Short 6 6
2 Mit 5%-Toleranz ohne Short 4 4
3 DAX Buy-and-Hold 1 0

Die Daten bestätigen die Überlegung, dass bei der 3%-Variante häufiger Kauf- bzw. Verkaufssignale gebildet werden. Prozentual wurden im Beobachtungszeitraum bei dieser Variante 50% mehr Transaktionen durchgeführt.

Ergebnisse des Backtest für das 3% und 5%-Kriterium

Auch diese Resultate beziehen sich auf den Zeitraum vom 02.02.2007 bis zum 19.08.2018.
Es wurden die Transaktionskosten mit eingerechnet wie bei den virtuellen Depots (9 € + 1 Promille des Kauf-/Verkaufsbetrages).
Die Auswertung erfolgte mit XETRA-Schlusskursen. Nach Signalwechseln wurde am Folgetag zum Eröffnungskurs ge- oder verkauft.

 

Typ Bezeichnung Startwert absolut
02.01.2007
Endwert absolut
19.08.2018
Rendite absolut [%] Rendite jährlich [%]
           
1 mit 3%-Toleranz ohne Short 20.000,00 € 37.154,85 € 85,77% 5,39%
2 Mit 5%-Toleranz ohne Short 20.000,00 € 38.443,95 € 92,22% 5,69%
3 DAX Buy-and-Hold 6614,73 12210,55 84,60% 5,33%

 

Im Beobachtungszeitraum schnitt die 200-Tage-Linien Strategie mit dem 5%-Kriterium absolut knapp 6,5% besser ab als mit dem 3%-Kriterium, auf die jährliche Rendite bezogen waren es 0,3%.

Doch sind hierzu noch einige Anmerkungen zu machen:
Auffällig ist der geringe Unterschied in der Performance zwischen den drei dargestellten Varianten. So ist die Rendite zwischen der DAX “Buy-and-Hold”-Strategie und der 200-Tage-Linien Strategie mit dem 3%-Kriterium fast identisch.
Dies war nicht durchgehend so. Bei der früheren Auswertung zur 200-Tage-Linien Strategie, die auf dem Zeitraum zwischen dem 02.01.2007 und dem 30.12.2013 beruhte, betrug die jährliche Rendite der 3%-Strategie 8,05% gegenüber 5,39% der “Buy-and-Hold” Strategie.

Der Hintergrund lässt sich sehr gut anhand von drei Gedankenspielen erläutern:

  1. Was geschieht, wenn der DAX permanent steigen und immer über der 200-Tage-Linie notieren würde?
    Wir wären mit unserer Strategie immer investiert und würden dem DAX folgen. Lediglich die Verwaltungskosten für die Wertpapiere würden die Rendite rein gegenüber dem DAX minimal schmälern.
  2. Was geschieht, wenn der DAX sich ständig in einer Art Sägezahnmarkt um einige Prozent auf und abbewegt?
    Diese Frage wurde bereits weiter oben beantwortet: wir würden ständig zu tiefen Kursen verkaufen und zu höheren Kursen einsteigen. In Folge wäre der Performance unserer Strategie deutlich schlechter als die des DAX’.
  3. Was geschieht, wenn der DAX kontinuierlich von Bullenmärkten zu Bärenmärkten und umgekehrt wechseln würde?
    Bei Bärenmärkten würden mit der 200-Tage-Linien Strategie nach einiger Zeit die Verkaufssignale greifen und könnten ausreichen Cash vorhalten, um in Bullenmärkten wieder einzusteigen.

Szenario 1 wäre der neutrale Fall, bei dem die alle Strategien in dieselbe Richtung laufen.
Szenario 2 ist der “Worst Case” für die 200-Tage-Linien Strategien, wobei die 5%-Kriterium Strategie noch etwas besser abschneidet.
Szenario 3 ist der Traum aller Investoren, die die 200-Tage-Linien Strategie umsetzen. Hier würde die 3%-Kriterium Strategie etwas besser abschneiden, da Ein- und Ausstieg früher erfolgen.

Dadurch lassen sich auch die Resultate erklären: Bei der Überprüfung im Zeitraum bis Ende 2013 kam der durch die Finanzkrise ausgelöste Bärenmarkt prozentual mehr zum Tragen, gefolgt von einem Bullenmarkt. In jüngerer Vergangenheit ist der DAX eher in Richtung Sägezahnmarkt unterwegs, zwar noch nicht extrem ausgeprägt, aber doch so, dass er Spuren hinterlässt.