«

»

Nov 18

200-Tage-Linien-Strategie

KalenderDie 200-Tage-Linien-Strategie ist als trendfolgende Strategie der technischen Analyse zuzuordnen.

Als Signalgeber dient der einfache gleitende Durchschnitt (simple moving average) der letzten 200 Tage.

Um die Anzahl der Fehlsignale zu verringern, wird mit einem Toleranzfenster von 3% gearbeitet, da diese Variante in der “Untersuchung zur 200-Tage-Linien Strategie” die überzeugendsten Ergebnisse lieferte.

Ferner werden zwei Variationen angeboten: Einmal werden nur “Long”-Positionen eingegangen, d.h. nach Kaufsignalen ist das Depot voll mit Standard-ETFs investiert, bei Verkaufssignalen wird das Pulver in Form von Bargeld trocken gehalten. Diese Variante schneidet in Seitwärtsmärkten besser ab.
Zum anderen werden “Long” und “Short” Positionen eingegangen.
Nach Kaufsignalen wird wie zuvor agiert, bei Verkaufssignalen wird in Short-ETFs investiert, deren Kurswert sich bei fallendem DAX erhöht (und umgekehrt). Diese Variante bringt in Bärenmärkten hohe Renditen.


Anzeige

Die Regeln der 200-Tage-Linie Strategie (Long)

  1. Einen Index auswählen (wir beziehen uns hier und in den Musterdepots auf den DAX-Performance-Index).
  2. Steigt der Index mindestens 3% über den gleitenden Durchschnitt der letzten 200-Tage, werden DAX-ETFs gekauft.
  3. Fällt der Index mindestens 3% unter die 200-Tage-Linie, so werden die Papiere verkauft. Bis zum nächsten Kaufsignal werden keine neuen Investitionen vorgenommen.

Die Regeln der 200-Tage-Linie Strategie (Long und Short)

  1. Einen Index auswählen (wir beziehen uns hier und in den Musterdepots auf den DAX-Performance-Index).
  2. Steigt der Index mindestens 3% über den gleitenden Durchschnitt der letzten 200-Tage, werden eventuell im Depot befindliche Short-ETFs verkauft und DAX-ETFs gekauft.
  3. Fällt der Index mindestens 3% unter die 200-Tage-Linie, so werden die Papiere verkauft. Stattdessen werden Short-ETFs auf den DAX-Performance-Index erworben.

Vor- und Nachteile der 200-Tage-Linien Strategien

Nachteile:

  • In Seitwärtsmärkten kann sich eine Reihe von Fehlsignalen bilden, die sich negativ auf die Performance niederschlagen.
  • Durch den Einsatz des gleitenden Durchschnitts über 200 Tage können die Signale erst mit Verzögerung gebildet werden.

Vorteile:

  • Die Strategie ist leicht verständlich und einfach nachzuvollziehen.
  • Die Umsetzung erfordert nur einen geringen Zeitaufwand.
  • Eine Verlustbegrenzung ist für jeden Handel in der Strategie integriert (durch die entsprechenden Verkaufssignale).
  • Durch den Einsatz von ETFs ist die Strategie auch mit kleinem Kapitaleinsatz sinnvoll (somit auch als Depotbeimischung).
  • Durch die klaren Regeln ist die Strategie frei von Emotionen.


Anzeige

Anzeige

Performance der Strategie

 

Auch hier gilt: Renditen aus der Vergangenheit sind keine Garantie für Renditen in der Zukunft.
Der DAX (Performance-Index inklusive Dividenden) stieg zwischen 2007 und 2013 jährlich um durchschnittlich 5,4 %. Im gleichen Zeitraum erzielte die “200-Tage-Linien”-Strategie Long (mit 3%-Toleranz) eine jährliche Rendite von 8,05 % und die “200-Tage-Linien”-Strategie Long und Short 9,8 %.

Sehen wir uns näher an, was aus 10.000 € Startkapital mit diesen Renditen geworden wäre:

 

Bezug Strategie Zeitraum Jährliche Rendite Start-kapital Kapital am Ende des Zeitraums
DAX Buy and Hold
2007-2013  5,39% 10.000 €  14.441 €
DAX 200-Tage Long
2007-2013  8,05% 10.000 € 17.195 €
DAX 200-Tage Long und Short
2007-2013 9,80% 10.000 € 19.245 €

 


Anzeige

 

11 Kommentare

1 Ping

Zum Kommentar-Formular springen

  1. Bergrath

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich habe mit Interesse ihren Bericht über die 200 Tage Linie Strategie gelesen, insbesondere den Teil mit der 3 % Toleranz.

    Habe dazu jedoch eine Frage:

    Wie kann es sein, daß bei dieser Strategy es zu über 10 % Anteil von nicht investierten Tagen kommt, wenn doch das Verkaufsignal von Short Positionen das Überschreiten der 200 Tage Linie um mehr als 3 % darstellt und somit ein Kaufsignal für Long Positionen signalisiert, gleiches gilt im Umkehrschluss für das Verkaufsignal von Longpositionen, wenn die 200 Tage Linie um mehr als 3 % nach unten durchstoßen wird und somit ein Kaufsignal für Short Positionen darstellt.

    Meines Erachtens müsste dementsprechend eine durchgehende Investitionen vorliegend sein.

    Über eine diesbezügliche kurze Antwort wäre ich Ihnen äußerst dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen Patrick Bergrath

    1. Mathias Maier

      Hallo Herr Bergrath,

      vielen Dank für Ihr Interesse an meinen Artikeln.

      Ihre Frage ist durchaus berechtigt, aber ich hoffe, dass ich sie zufriedenstellend beantworten kann.
      Die Ursache liegt im Einstiegszeitpunkt. Long Positionen werden erst gekauft, wenn der DAX-Indexstand die 200-Tage-Linie plus die Toleranz von unten kommend durchbricht.
      Analog werden Short Positionen erst nach durchstoßen der 200-Tage-Linie minus der 3% erworben.

      Hintergrund der Strategie ist die Ausnutzung eines Trends. Entschließen Sie sich zwischendurch einzusteigen, kann der Trend schon wieder gedreht haben.
      Als extremes Beispiel soll ein hypothetischer Kauf während der Finanzkrise durchgespielt werden:
      Anfang März 2009 befand sich der DAX 32% unterhalb seiner 200-Tage-Linie. Lassen wir die oben erwähnten Kriterien außer Acht, so bedeutet dies für einen Neueinsteiger, dass er sich mit Short Positionen eindecken muss, da der DAX sich mehr als 3% unter dem gleitenden Schnitt befindet. Ab diesem Zeitpunkt stieg der DAX kontinuierlich an. Das Verkaufssignal der der Short Positionen erfolgte aber erst, nachdem der DAX 3% über die 200-Tage-Linie gestiegen ist. Damit wäre schon kurz nach dem Einstieg über ein Drittel des investierten Kapitals verloren gewesen.

      Durch die beschriebenen Kriterien lässt sich der relativ hohe Anteil an Zeiten erklären, an denen keine Positionen im Depot waren. Das erste Kaufkriterium erfolgte im Untersuchungszeitraum nach mehr als einem Jahr. Danach ist das Depot (bei der Long und Short Strategie) immer investiert.
      Das heisst auch, dass je länger der Untersuchungs- bzw. Investitionszeitraum ist, die Zeiten ohne aktive Positionen umso geringer werden.

      Ich hoffe, dass ich Ihre Frage verständlich beantworten konnte.
      Bitte einfach schreiben, falls noch offene Punkte sein sollten.

      Beste Grüße
      Mathias Maier

      1. Bergrath

        Hallo Herr Maier,

        recht herzlichen Dank für die rasche Beantwortung meiner Frage.

        Dürfte ich Sie nur noch um einen Tip bitten!

        Auf welcher Internet Seite kann ich am Abend nach Börsenschluss die aktuellen Werte für die 200 Tage Linie für den Dax und den Euro Stoxx einsehen.

        Wünsche Ihnen mit Ihrem Wissen eine erfolgreiche Zeit an en Börsen der Welt.

        Mit freundlichen Grüßen und Dank.

        Patrick Bergrath

  2. WErner

    Hallo !
    Angenommen der DAX steigt 3% über die 200 Tage Linie. Wann erfolgt der Einstieg ? Sofort, am Ende des Handelstag, zu Beginn des nächsten Handelstag?
    LG, Werner

    1. Mathias Maier

      Rein theoretisch erfolgt der Einstieg sofort nach Erreichen der 3%-Marke.
      Die Betonung liegt auf “theoretisch”, da der normale Anleger in der Regel nicht die Zeit und Lust hat, den ganzen Tag vor dem Börsenticker zu sitzen.
      Ob Sie den Kauf nachbörslich am Ende des XETRA-Handelstages oder am Folgetag ausführen, bleibt Ihnen überlassen.
      Beim auf dieser Website geführte 200-Tage-Linien Depot erfolgt die Überprüfung erst am Ende der Handelswoche. Käufe oder Verkäufe werden zu Börsenbeginn am folgenden Montag ausgeführt.
      Die eins, zwei oder drei Prozent Differenz, die dabei im Vergleich zur puren Theorie entstehen, haben keinen Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg einer Strategie, zumal sich die Differenzen über längere Zeiträume statistisch eher ausgleichen.
      Deshalb mein Tipp: Legen Sie für sich persönlich ein sinnvolles Regelwerk zurecht, welches Ihnen zusagt.

  3. Daniel

    Hallo!
    Danke für den Artikel, sehr verständlich geschrieben.
    Ich habe dazu nur eine kurze Frage.
    Sind bei Ihren Berechnungen oben die Kosten für den Kauf und den Verkauf integriert?
    Wie verhält es sich mit den Steuern? Wenn ich das erste mal verkaufe muss ich ja auf den Gewinn Steuern zahlen. Somit kann ich beim nächsten Einstieg deutlich weniger investieren als ich beim Ausstieg erhalten habe.
    Dies schmälert meinen gesamten Gewinn doch maßgeblich?!
    Oder habe ich hierbei einen Denkfehler?

    Schöne Grüße Daniel

    1. Mathias Maier

      Hallo Daniel, danke für die netten Worte.
      Ihre Fragen sind berechtigt. Dazu kann ich folgende Anmerkungen machen:
      Kosten für den Kauf und Verkauf sind sowohl bei den Überprüfungen historischer Daten, als auch im virtuellen Depot berücksichtigt.
      Zu Beginn habe ich die Transaktionskosten von 18 Online-Brokern verglichen und einen Mittelwert für die Kosten ermittelt.
      Das sind 1 Promille der Kauf- bzw. Verkaufskosten plus 9 €.
      Bei einem Kaufpreis von 2000 € wären dies 2000€ * 0,001 + 9 € = 11 €.

      Steuerliche Aspekte werden aus mehreren Gründen nicht berücksichtigt:

      1. In Deutschland gibt es einen Steuerfreibetrag von 801 € für Ledige, bzw. 1602 € für Ehepaare. Es lässt sich nicht beurteilen, ob der Freibetrag für die Umsetzung der Strategie verwendet wird oder nicht. Falls er verwendet wird, reicht er aus die Gewinne abzudecken?
      2. Nicht jeder Leser muss seine Gewinne in Deutschland versteuern. Entsprechend kommen unterschiedliche Steuergesetze zur Anwendung.
      3. Steuergesetze können sich ändern. Vor Jahren waren die Gewinne mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Regelung zu einem späteren Zeitpunkt wieder kommt. Welcher persönliche Steuersatz sollte dann verwendet werden?
      4. Aus den erwähnten Gründen wird die Performance einer Strategie üblicherweise bei allen Quellen ohne Steuer vorgestellt. Dadurch lassen sich länderübergreifend Vergleiche von Strategien durchführen.

      Ich hoffe, dass ich die Fragen zufriedenstellend beantworten konnte. Ansonsten einfach nochmals nachfragen.

      Beste Grüße
      Mathias

  4. John

    Hallo Herr Maier,

    ich habe noch eine Frage: Sie hatten geschrieben: “Beim auf dieser Website geführte 200-Tage-Linien Depot erfolgt die Überprüfung erst am Ende der Handelswoche.”
    Heißt das, dass Sie am Ende der Woche überprüft haben ob der Kurs während der Woche zu irgendeinem Zeitpunkt (auch im Laufe eines Tages) über oder unter der 200-Tageslinie +-3% lag und dann die entsprechende Kauf- oder Verkaufsentscheidung durchgeführt haben? Oder haben Sie am Ende der Woche den Schlusskurs vom Freitag verwendet um eine Kauf- oder Verkaufsentscheidung zu treffen.

    Freundliche Grüße
    John

    1. Mathias Maier

      Hallo John,

      Sie stellen eine berechtigte Frage, die eine Klarstellung erfordert.
      Zum einen arbeite ich nur mit Tagesschlusskursen, tägliche Schwankungen ignoriere ich.
      Diese Vorgehensweise hat zwei Gründe:
      1. Das Erreichen einer Marke zum Schlusskurs gilt als nachhaltiger und aussagekräftiger als beispielsweise ein Peak im Tagesverlauf.
      2. Ich wollte dieselben Voraussetzungen verwenden, die auch beim Backtest eingesetzt wurden. Und den Backtest über viele Jahre zurück unter Verwendung von Tageshöchst- und Tagestiefstkursen auszuführen, wäre zwar nicht unmöglich, hätte aber die Aufgabe um ein Vielfaches erschwert.

      Die Kauf- bzw. Verkaufsentscheidung erfolgt, wenn ein Schlusskurs in der Woche +-3% über/unter der 200-Tage-Linie war.
      Allerdings nehme ich mir eine Freiheit: hat das Vorzeichen zum Schlusskurs am Freitag wieder gedreht, revidiere ich die ausgelöste Kauf- Verkaufsentscheidung.
      Beispiel: Falls ich nicht investiert bin und der Index am Dienstag mehr als 3% über der 200-Tage Linie liegt (Schlusskurs), wird ein Kaufsignal ausgelöst. Liegt der DAX aber freitags zum Schlusskurs wieder unter der 200-Tage Linie, wird das Kaufsignal verworfen.
      Meiner Meinung nach ist die Gefahr viel größer, dass der Depotwert durch ständige Käufe und Verkäufe deutlich reduziert wird, als dass ich vielleicht ein oder zwei Prozent durch einen zu späten Einstieg liegen lasse.

      An dieser Stelle möchte ich nochmals betonen, dass das Ziel der Website nicht darin liegt, Strategien vorzustellen, die sklavisch nachvollzogen werden müssen.
      Jeder kann gerne die Depots/Strategien 1:1 umsetzen. Genauso gut kann jeder seine Modifikationen vornehmen und danach handeln.
      Nur sollte der eingeschlagene Weg nicht ständig verändert werden.

  5. John

    Hallo Herr Maier,

    vielen Dank für Ihre Antwort. Ich habe jedoch noch eine weitere Frage.
    Spielt es denn eine große Rolle ob man den Performance-Index oder den
    Kurs-Index wählt bzw. welchen sollte man für die 200-Tage-Strategie wählen.
    Der Performance-Index verläuft in der Regel immer etwas besser
    und dies führt somit zu anderen Kauf- und Verkaufssignalen.

    Freundliche Grüße
    Johannes Hartmann

    1. Mathias Maier

      Hallo Johannes,

      Sie stellen erneut eine sehr interessante Frage. Und ganz ehrlich, bisher habe ich mir darüber keinerlei Gedanken gemacht.
      Ich bin immer so vorgegangen, dass ich den Performance-Index verwendet habe, da dieser in allen Medien veröffentlicht wird.

      Da üblicherweise nur der DAX-Performance-Index präsentiert wird, ist der Kursindex etlichen Lesern nicht bekannt. Deshalb möchte ich kurz den Unterschied vorstellen:
      Beim Performance-Index werden auch die Dividenden und Kapitalmaßnahmen mit eingerechnet, d.h. schüttet beispielsweise ein DAX-Unternehmen eine Dividende aus, so wird diese dem Index zugerechnet.
      Der Kursindex wird rein aufgrund der Aktienkurse ermittelt.
      Somit wird auch nachvollziehbar, warum der Performance-Index weitaus höher notiert als der Kursindex.
      Der Kursindex beim DAX ist hilfreich, wenn verschiedene Indizes miteinander verglichen werden sollen. Da z.B. der Dow Jones und der Euro Stoxx 50 reine Kursindizes sind, lässt sich ein direkter Vergleich nur mit dem DAX Kursindex ziehen.

      Zurück zur Frage: Der Verlauf sollte bei beiden Indizes gleich sein, lediglich die Spreizung der Werte sollte beim Performance-Index ausgeprägter sein.
      Was das für Folgen für die 200-Tage-Linien Strategie hat, lässt sich so nicht beurteilen.
      In den nächsten Tagen werde ich einen Vergleich des Einsatzes beider Kursarten für die Strategie durchführen und in einen Artikel packen.
      Ich bin selbst auf das Ergebnis gespannt.

  1. Kriterien zur Erkennung von Markttrends - Aktienstrategien

    […] DAX 200-Tage-Linien Strategie mit der 3%-Regel wie <<hier>> erläutert. […]

Hinterlasse einen Kommentar zu Kriterien zur Erkennung von Markttrends - Aktienstrategien Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>