«

Dez 31

Depotcheck Jahresende 2018

Weighing 1Das Börsenjahr 2018 ist abgeschlossen.
“Gott sei Dank” – wird wohl die große Mehrheit der Anleger denken. Fast 18,3% verlor der DAX auf Jahresbasis.
Nehmen wir den Höchststand vom 23.01.2018 mit 13596,89 Punkten und den Tiefststand vom 27.12.2018 mit 10279,20 Punkten, kommen wir auf ein Minus von 24,4%, was die Bedingungen für einen Bärenmarkt erfüllt. Aber mehr dazu am Ende des Artikels.

Lassen Sie uns einen Blick darauf werfen, wie die virtuellen Depots unter diesen Umständen abgeschnitten haben.

Im abgelaufenen Jahr wurden 26 Depots geführt. Alle zuvor behandelten Depots wurden weitergeführt, auch wurde kein Depot neu aufgenommen.
Wie schon in den Jahren zuvor bleibt das Sparplan-Depot im Vergleich außen vor, da dessen Charakter mit monatlichen Spareinlagen sich von den anderen Depots unterscheidet.
Von den verbleibenden 25 Depots haben 13 besser als der DAX abgeschnitten, was einer Quote von 52% entspricht. Weniger also als die 68% im Jahr zuvor. Zu den Gründen werden wir im weiteren Verlauf kommen.

Doch bevor wir fortfahren, möchte ich die aktuelle Rangliste des Jahres 2018 aufführen. Die farbliche Unterscheidung soll helfen, Strategien mit ähnlicher Performance optisch aufzuzeigen.

 

Platz Vorjahr Strategie Start am: akt. Datum: aktueller Wert Gewinn/ Verlust 2018
1 26 Low-1 02.01.14 28.12.18 15.016,38 € 4,38%
2 2 Low-2 02.01.14 28.12.18 33.875,45 € -0,02%
3 4 Unemotional Value Four Plus 02.01.14 28.12.18 31.948,58 € -3,77%
4 9 Low Five 02.01.14 28.12.18 27.211,80 € -4,69%
5 17 Foolish Four 02.01.14 28.12.18 19.868,63 € -4,84%
6 5 Unemotional Value Four 02.01.14 28.12.18 28.996,66 € -5,11%
7 12 Dogs of the Dow 02.01.14 28.12.18 25.047,40 € -8,26%
8 14 Low-Risk-5 06.01.14 28.12.18 25.685,17 € -8,68%
9 19 200-Tage-Linie Strategie mit Short 02.01.14 28.12.18 17.919,87 €
-9,34%
10 21 Otto Normalverdiener Depot 02.01.14 28.12.18 27.160,51 € -12,36%
11 20 200-Tage-Linie Strategie 02.01.14 28.12.18 21.598,64 € -12,51%
12 24 Sell in Summer 02.01.14 28.12.18 24.951,07 € -15,83%
13 6 Umkehr 28.02.14 28.12.18 28.550,89 € -16,19%
14 18 DAX 02.01.14 28.12.18 10.558,96
-18,26%
15 25 Schwergewicht 02.01.14 28.12.18 19.058,93 € -18,56%
16 16 Trendfolge 28.02.14 28.12.18 31.216,83 € -18,78%
17 15 Low-Risk-Index 06.01.14 28.12.18 20.834,03 € -18,82%
18 23 Kombinierte Methode 02.01.14 28.12.18 20.362,10 € -20,63%
19 8 Relative Stärke „Sell in Summer“ 21.02.14 28.12.18 36.232,55 € -22,14%
20 22 Kombination 28.02.14 28.12.18 23.438,70 € -23,10%
21 3 Relative Stärke nach Levy 21.02.14 28.12.18 37.328,60 € -27,11%
22 1 Modifizierte Relative Stärke 04.01.16 28.12.18 28.581,34 € -27,74%
23 7 Value Depot KBV 02.01.15 28.12.18 26.033,23 € -29,94%
24 11 Small Caps Value Growth 02.01.17 28.12.18 17.359,67 € -32,01%
25 10 Value Depot „Feste Kriterien“ 02.01.15 28.12.18 18.791,59 € -32,26%
26 13 Value Depot „Einfacher,innerer Wert“ 02.01.15 28.12.18 19.107,50 € -33,49%

 

Als einziges Depot geht das Low-1 Depot mit einem Kursplus (+4,38%) aus dem Börsenjahr.Werfen wir jedoch einen Blick auf die Gesamtperformance, so finden wir das Low-1 Depot am Ende der Rangliste. Mit nur einem Wert ist die Strategie überhaupt nicht diversifiziert und sehr volatil.

Auffällig ist die Tatsache, dass alle 7 Dividendenstrategien auf den ersten sieben Plätzen zu finden sind. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass Blue-Chips (DAX-Aktien) mit hoher Dividendenrendite, in schwierigen Börsenphasen gesucht sind, denn Jahresergebnisse zwischen +4,4% und -8,3% sind bei einem Verlust des deutschen Leitindex’ von 18,65% beachtlich.

Nach den Dividendendepots folgt auf Rang 8 das Low-Risk-5 Depot, das rund 8,7% verliert. Es ist eigentlich folgerichtig, dass Aktien mit niedriger Volatilität relativ gut in Abschwungphasen abschneiden. Zudem war das Depot 4 Wochen lang (05.11.2018 bis 3.12.2018) nicht investiert.

Nur unwesentlich dahinter folgt das 200-Tage-Linien Depot mit Shortanteil. Auf den ersten Blick erscheint es unlogisch, dass diese Strategie bei stark sinkenden Kursen nicht deutlich besser performt hat. Die Ursache liegt darin begründet, dass das Depot nicht durchgehend mit Shortzertifikaten, sondern zweimal mit Longzertifikaten bestückt war, was sich negativ auf das Resultat auswirkte. Sägezahnmärkte – wie sie in 2018 einige Zeit vorkamen – sind für die 200-Tage-Linien Strategien Gift.
Entsprechend landete das reine 200-Tage-Linien Depot ohne Shortanteile auch nur auf Platz 11. Durch die nicht investierte 2.Jahreshälfte schnitt die Strategie dennoch gut 6% besser als der DAX ab.

Zwischen den beiden 200-Tage-Linien Strategien rangiert das Otto-Normalverdiener Depot auf Platz 10. Die diversifizierte Strategie mit DAX-Werten kann sich damit auch wesentlich besser als der breite Markt behaupten.

Im breiten Mittelfeld befinden sich mit dem Umkehr (Platz 13), Trendfolge (Platz 16) und Kombinationsdepot die drei Trendfolgestrategien. Die beiden letztgenannten Depots litten vor allem vom Abschneiden der Commerzbank, die 53,8% an Wert einbüßt. ProSiebenSat1 Media mit einem Minus von 38,6% belastet das Umkehr- und das Kombinationsdepot.

Ebenfalls im Mittelfeld landen mit dem Sell-in-Summer, dem Low-Risk-Index und dem Kombinierte Methode-Depot drei ebenfalls mit DAX-Zertifikaten aufgebaute Strategien. Auf Platz 12 schneidet das Sell-in-Summer Depot am Besten ab, das in den Monaten August und September nicht investiert war. Das Low-Risk-Index Depot erreicht Rang 17 (keine Investition vom 05.11.2018 bis 3.12.2018) vor dem Kombinierten Methode Depot, das zu Jahresbeginn bis in den Februar hinein auf “Verkaufen” stand.

Das Schwergewichtsdepot beendet das Jahr auf Platz 15 mit fast identischer Performance wie der DAX.

Womit wir zu den Enttäuschungen des abgelaufenen Jahres kommen:
Die drei relative-Stärke Strategien landen auf den Plätzen 19 (Sell-in-Summer), 21 (nach Levy) und 22 (Modifizierte Strategie). Der Verkauf aller Aktien über die Monate August und September lassen die Relative Stärke Strategie “Sell-in-Summer” mit einer Performance von rund 4% hinter dem DAX noch einigermaßen glimpflich aus dem Jahr kommen, während die beiden anderen Depots mehr als 27% einbüßen, und damit fast 10% schlechter als der deutsche Leitindex laufen.
Trotz des herben Ergebnisses liegen die Momentum-Strategien in der Gesamtauswertung (s.w.u.) ganz, bzw, ziemlich weit vorne. Untersuchungen zeigen die Effektivität der Momentumstrategien. Allerdings wird die Überrendite in Aufwärts- und oft auch in Seitwärtsphasen erzielt, während eine Aktienbaisse negative Auswirkungen auf diesen Typ von Strategien hat.

War das Abschneiden der Relative Stärke Depot enttäuschend, so ist das Resultat der Value-Strategie beinahe katastrophal zu nennen, gab es doch Wertverluste zwischen 30% und 33,5%. Bei jedem der Depots gab es Aktien, die zwischen 50% und 80% verloren haben. Die meist kleineren Werte zeichnen sich durch große Kursschwankungen aus, die es zum einen schwer machen, einen Stopp-Kurs zu finden, und die sich zum anderen bei einem Richtungswechsel auch schnell wieder erholen können, weshalb auf Stopp-Loss-Marken verzichtet wird. Diese Erholung fiel aber 2018 ins Wasser.
Der große Verlust lässt Zweifel an der Tauglichkeit der Strategien aufkommen. Für die Praxis sollten mehrere Punke beachtet werden:
Bei der KBV-Strategie fällt die Klumpenbildung an Bankaktien auf, die 2018 sehr schlecht abgeschnitten haben. Hier wäre eine größere Branchendiversifikation wünschenwert.
Generell sollten die Kriterien regelmäßig überprüft werden und großzügig ausgelegte Stopp-Loss-marken gesetzt werden.

Nachfolgend noch die Rangliste mit der Gesamtperformance. Bitte beachten Sie den unterschiedlichen Startzeitpunkt der Depots.

 

Platz Vorjahr Strategie Start am: akt. Datum: aktueller Wert Gewinn/ Verlust
1 1 Relative Stärke nach Levy 21.02.14 28.12.18 37.328,60 € 86,64%
2 2 Relative Stärke „Sell in Summer“ 21.02.14 28.12.18 36.232,55 € 81,16%
3 7 Low-2 02.01.14 28.12.18 33.875,45 € 69,38%
4 8 Unemotional Value Four Plus 02.01.14 28.12.18 31.948,58 € 59,74%
5 4 Trendfolge 28.02.14 28.12.18 31.216,83 € 56,08%
6 10 Unemotional Value Four 02.01.14 28.12.18 28.996,66 € 44,98%
7 3 Modifizierte Relative Stärke 04.01.16 28.12.18 28.581,34 € 42,91%
8 6 Umkehr 28.02.14 28.12.18 28.550,89 € 42,75%
9 14 Low Five 02.01.14 28.12.18 27.211,80 € 36,06%
10 9 Otto Normalverdiener Depot 02.01.14 28.12.18 27.160,51 € 35,80%
11 5 Value Depot KBV 02.01.15 28.12.18 26.033,23 € 30,17%
12 15 Low-Risk-5 06.01.14 28.12.18 25.685,17 € 28,43%
13 17 Dogs of the Dow 02.01.14 28.12.18 25.047,40 € 25,24%
14 12 Sell in Summer 02.01.14 28.12.18 24.951,07 € 24,76%
15 11 Kombination 28.02.14 28.12.18 23.438,70 € 17,19%
16 18 DAX 02.01.14 28.12.18 10.558,96
10,01%
17 22 200-Tage-Linie Strategie 02.01.14 28.12.18 21.598,64 € 7,99%
18 19 Low-Risk-Index 06.01.14 28.12.18 20.834,03 €
4,17%
19 20 Kombinierte Methode 02.01.14 28.12.18 20.362,10 € 1,81%
20 24 Foolish Four 02.01.14 28.12.18 19.868,63 € -0,66%
21 13 Value Depot „Einfacher,innerer Wert“ 02.01.15 28.12.18 19.107,50 € -4,46%
22 23 Schwergewicht 02.01.14 28.12.18 19.058,93 € -4,71%
23 16 Value Depot „Feste Kriterien“ 02.01.15 28.12.18 18.791,59 € -6,04%
24 25 200-Tage-Linie Strategie mit Short 02.01.14 28.12.18 17.919,87 € -10,40%
25 21 Small Caps Value Growth 02.01.17 28.12.18 17.359,67 € -13,20%
26 26 Low-1 02.01.14 28.12.18 15.016,38 € -24,92%

Trotz des Schwächelns in 2018 sind die Relative-Stärke Depots nach Levy und “Sell-in-Summer” mit deutlichem Abstand an der Spitze. Das Modifizierte Relative-Stärke Depot ist zwar auf Rang 7 abgerutscht, aber es ist dabei zu beachten, dass das Depot fast zwei Jahre später aufgelegt wurde.

Sämtliche Dividendenstrategiedepots haben sich um 4 bis 5 Plätze verbessert. Das Low-2 Depot ist sogar bis auf Rang 3 vorgerückt. Auch das 200-Tage-Linien Depot rückte 5 Plätze vor.

Wie aus den Ergebnissen des Jahres 2018 zu erwarten, verschlechterten sich alle Value Strategien deutlich.
Trotz Rang 1 in 2018 behält das Low-1 Depot abgeschlagen die rote Laterne.

Zum Abschluss noch eine Gegenüberstellung auf welchem Rang die Depots in den einzelnen Jahren belegt haben:

 

Strategie Rang Jahresende
2014
Rang Jahresende
2015
Rang Jahresende
2016
Rang Jahresende
2017
Rang Jahresende
2018
Durchschn.
Rang
           
Relative Stärke „Sell in Summer“ 4 2 4 8 19 7,4
Trendfolge 5 4 1 16 16 8,4
Modifizierte Relative Stärke 3 1 22 8,7
Unemotional Value Four Plus 7 21 13 4 3 9,6
Relative Stärke nach Levy 18 1 6 3 21 9,8
Low-2 2 18 25 2 2 9,8
Umkehr 21 7 7 6 13 10,8
Value Depot KBV 3 12 7 23 11,3
Low-Risk-5 17 10 8 14 8 11,4
Otto Normalverdiener Depot 1 6 21 21 10 11,8
Dogs of the Dow 8 14 18 12 7 11,8
Unemotional Value Four 11 22 15 5 6 11,8
Sell in Summer 6 5 16 24 12 12,6
Low Five 14 17 20 9 4 12,8
DAX 14 11 9 18 14 13,2
Kombination 15 8 2 22 20 13,4
Value Depot „Einfacher,innerer Wert“ 9 11 13 26 14,8
Value Depot „Feste Kriterien“ 19 5 10 25 14,8
Foolish Four 13 23 17 17 5 15,0
200-Tage-Linie Strategie 19 16 10 20 11 15,2
Low-1 3 24 23 26 1 15,4
Low-Risk-Index 9 13 24 15 17 15,6
Kombinierte Methode 10 12 19 23 18 16,4
Schwergewicht 16 15 14 25 15 17,0
Small Caps Value Growth 11 24 17,5
200-Tage-Linie Strategie mit Short 22 20 22 19 9 18,4

Nach fünf Jahren ist zu erkennen, dass nicht eine Strategie immer im Vorderfeld zu finden ist. Zwar gibt es qualitativ deutliche Unterschiede, aber schwächere Jahre durchleben alle vorgestellten Strategien.

Weitere Aussicht

Wie oben erwähnt hat der DAX vom Höchststand 24,4% eingebüßt, womit wir uns “offiziell” in einer Baisse befinden.
Die Frage lautet nun: Ist eine Bodenbildung in Sicht oder setzt sich der Abwärtstrend fort?

Leider lässt sich die Frage ohne hellseherische Fähigkeiten nur schwer beantworten. Da uns der Blick in die Zukunft verwehrt ist, bleibt nur der Blick in die Vergangenheit:

Soweit wir auf die letzten 30 Jahre zurückblicken und die Mega-Bärenmärkte “Dot.com-Blase” (ab 2000) und Finanzkrise (ab 2008), in denen es deutlich mehr als 50% nach unten ging, außer Acht lassen, beliefen sich die Verluste der 5 weiteren Baisse-Phasen zwischen 20% und 35%. Es könnte – muss aber nicht – noch etwas weiter abwärts gehen.

Großen Einfluss dürfte die weitere Entwicklung des Handelsstreites zwischen den USA und China haben. Zudem ist der Brexit ein Thema an den Börsen. Zwar dürften schon einige Risiken in den aktuellen Kursen eingepreist sein, doch sollte tatsächlich zu einem “harten Brexit” kommen, ist ein weiterer Kursrutsch nicht auszuschließen.

Aber was gilt ist: “Der Markt hat immer Recht”. Also lassen Sie uns schauen, wohin er führt.