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Mrz 14

Bärenmarkt – Definition und historische Ereignisse

louisiana-black-bearVor Kurzem hatte ich einen interessenten Meinungsaustausch mit einem Leser zum Thema Aktienstrategien. Unter anderem ging es um das Verhalten als Anleger in einem Bärenmarkt.

Zuerst schien die Antwort offensichtlich, doch nach und nach erschienen mehr und mehr Fragezeichen. Einfach wäre es, wenn wir zum Beispiel per rotem Blinklicht zuverlässig darauf aufmerksam gemacht würden, dass ein Bärenmarkt im Anflug ist. Leider haben wir diese Warnleuchte nicht.

Wie können wir aber einen Abschwung erkennen, der uns zu einer Handlung veranlasst? Je mehr sich der Anleger mit dem Thema beschäftigt, desto mehr wird ihm bewusst werden, wie komplex die Fragestellung ist.

Um etwas Licht in das Dunkel zu bringen, sind eine einheitliche Sprache (betreffend der Begrifflichkeiten) und ein Blick in die Vergangenheit notwendig.

In diesem Artikel und vermutlich zwei weiteren Folgeartikeln wollen wir und mit folgenden Punkten beschäftigen:

  • Definition der Begriffe
  • Auflistung der Bärenmärkte seit 1991
  • Festlegung und Auswertung von Signalen zur möglichen Erkennung von Bärenmärkten
  • Bewertung der Ergebnisse
  • Handlungsmöglichkeiten in Bärenmärkten
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Definition von Bärenmarkt und Co

Bärenmarkt, Baisse, Börsencrash, Korrektur, Bärenmarktrally, Bullenfalle. Viele Begriffe beziehen sich auf fallende Kurse oder sind Effekte während Phasen von Kursrückgängen. Lassen Sie uns einen Blick auf die jeweilige Bedeutung werfen, wobei nicht immer eine eindeutige Definition zu finden ist. Während manche Begriffe einen identischen Hintergrund haben, haben andere eine unterschiedliche Bedeutung, ohne dass aber eine klare Abgrenzung gegeben ist.

Bärenmarkt / Baisse:

Beide Begriffe haben die identische Bedeutung.
Wikipedia definiert die Begriffe zusammen mit dem gegensätzlichen Bullenmarkt wie folgt:

“Der Begriff Bullenmarkt oder Hausse [os] (französisch für Anstieg, Steigerung) steht an der Börse für anhaltend steigende Kurse und Bärenmarkt oder Baisse [bɛs] (französisch für Rückgang, Abnahme) für anhaltend sinkende Kurse.”

Die US-amerikanische Finanzwebsite Investopedia wird noch etwas genauer (Anmerkung: eigene Übersetzung):

“Ein Bärenmarkt ist ein Zustand, bei dem Wertpapierkurse fallen und ein weitverbreiteter Pessimismus eine sich selbst erfüllende Abwärtsspirale des Aktienmarktes in Gang setzt. Investoren erwarten in dem Maße Verluste wie der Pessimismus und die Anzahl der Verkäufe zunimmt. Obwohl die Zahlen (unterschiedlicher Bärenmärkte – Anm. des Übersetzers) variieren, ist ein Rückgang von mindestens 20% vom Hoch von mehreren breiten Marktindizes, wie dem Dow Jones Inustrial Average (DJIA) oder dem Standard & Poor’s 500 Index (S&P 500) über einen Zeitraum von (mindestens – Anm. des Übersetzers) 2 Monaten als Eintritt in einen Bärenmarkt zu betrachten.”

Hier finden wir mit dem Kursrückgang von mindestens 20% und der Dauer von mindestens 2 Monaten zwei konkrete Angaben. Bei den späteren Betrachtungen verwenden wir den DAX als Marktindex zur Erkennung eines Bärenmarktes. Erfüllt der DAX als deutscher Leitindex die beschriebenen Voraussetzungen, können wir davon ausgehen, dass auch andere Indizes die Bedingungen für eine Baisse erfüllen.

Crash (Börsenkrach / Börsencrash):

Werfen wir wieder einen Blick auf die Definition von Wikipedia:

“Als Börsenkrach (oder Börsencrash) wird ein extremer Kurseinbruch an der Börse bezeichnet. Er dauert einige Tage bis hin zu wenigen Wochen. In dieser Zeit dominieren – meist panikartige – Verkäufe, die einen großen Angebotsüberhang erzeugen und so zu drastisch fallenden Kursen führen.
Börsenkräche treten meist am Ende einer Spekulationsblase auf. Aber auch bei unerwarteten, negativen Ereignissen − z. B. die Insolvenz Lehman Brothers −, in extremen Fällen − z. B. dem Flash Crash − auch vollkommen ohne Nachrichten.
Dann kann es zu einer positiven Rückkopplung kommen: einige Marktteilnehmer verkaufen, wodurch die Kurse zu fallen beginnen. Das treibt weitere Teilnehmer ebenfalls zu Verkäufen und die Kurse fallen weiter.
Es gibt keine eindeutige Definition eines Börsenkrachs. Im Gegensatz zur Baisse fallen die Kurse schneller und plötzlicher, ein Ausdruck von Panikverkäufen.”

Auch der Investor Verlag liefert eine Definition:

“Was ist eigentlich ein Börsencrash?
Zunächst erst einmal zur Definition dieses Phänomens. Allgemeine Lesart ist, dass ein Crash nur dann vorliegt, wenn Aktienindizes mehr als 10 % an einem einzigen Handelstag verlieren. Doch sinnvollerweise sollte man die Definition insoweit erweitern, dass ein Crash einfach einen extrem starken Kursverlust in sehr kurzer Zeit bedeutet.”

Die Kennzeichen eines Crash’ sind also ein heftiger Kurseinbruch und eine kurze Zeitspanne.

Korrektur:

Wikipedia liefert folgende Definition:

“Eine „Korrektur“ ist eine zeitlich eng begrenzte Gegenbewegung der Kurse (beispielsweise eine kurzfristige Baissephase innerhalb einer übergeordneten Hausse).”

Investopedia fordert einen Zeitraum für eine Korrektur von weniger als 2 Monaten.

Lassen Sie uns vereinfacht nach dem Auschlussprinzip vorgehen: Liegt ein Kurseinbruch vor, ohne dass die Kriterien für einen Bärenmarkt oder einen Crash erfüllt sind, so handelt es sich um eine Korrektur.

Bärenmarktrally:

“Als Bärenmarktrallye wird von den Börsianern eine kräftige Zwischenerholung in einem insgesamt schwachen Umfeld bezeichnet. Es ist also ein „Täuschungsmanöver“ des Marktes, der eigentlich nach unten will.[3] Der Begriff ist als Warnhinweis zu verstehen, denn die Anleger können sich in der weiteren Marktentwicklung täuschen, die sehr wahrscheinlich in einem Abwärtstrend enden wird. Ein historisches Beispiel ist der große Börsencrash von 1929. Die Kurse fielen über mehrere Jahre in Etappen. Zwischendurch erholte sich der Markt mehrfach kräftig um bis 25 %, um danach noch heftiger abzustürzen.” (laut Wikipedia).

Eine Bärenmarktrally ist also ein (meist kurzfristiger) Zeitraum innerhalb eines Bärenmarktes, in dem die Kurse steigen, um anschließend wieder zu fallen.

Bullenfalle:

“Der Begriff Bullenfalle beschreibt eine Kursentwicklung, die Investoren zu der Annahme verleitet, dass die Kurse nun weiter steigen. Sie kaufen Wertpapiere und nach einem kurzen Anstieg fallen die Preise dann jedoch wieder.” (laut Wikipedia).

Die Bullenfalle ist vergleichbar mit der Bärenmarktrally. Letztere tritt aber – wie der Name schon sagt – nur innerhalb eines Bärenmarktes auf, während die Bullenfalle auch in Seitwärtsmärkten auftritt.


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Bärenmärkte seit 1991

Legen wir die oben erwähnte Kriterien einer Baisse, also ein Kursrückgang um mindestens 20% und eine Dauer von mindestens 2 Monaten, zugrunde, so lassen sich seit 1991 sieben Bärenmärkte herausfiltern.
Würden wir einen ganz peniblen Maßstab anlegen, so kämen wir sogar auf neun Stück, da während der Baisse nach der Jahrtausendwende zwei Bärenmarktrallies mit über 20% Kurszuwachs erfolgten, denen aber noch tiefere Kurse folgten.

Bei nachfolgender Tabelle mit der Auflistung der Bärenmärkte ist zu beachten, dass Wochenschlusskursen verwendet wurden. Es ist also davon auszugehen, dass die Tiefs unter der Woche noch etwas unter, sowie die Hochs noch etwas über den angegebenen Werten liegen.

 

  Datum Indexstand Kurssturz Dauer bis Kurstief Indexstand Kursanstieg Kursanstieg
Nr. Start Ende Hoch Tief in % Börsentage ca. Monate nächstes Hoch in % vom Tief in % vom Hoch
1 25.05.92 05.10.92 1803,20 1439,70 20,16% 95 4,4 6147,87 327,02% 240,94%
2 13.07.98 28.09.98 6147,87 3962,50 35,55% 55 2,5 7975,95 101,29% 29,74%
3 06.03.00 10.03.03 7975,95 2403,19 69,87% 785 36,1 8092,77 236,75% 1,46%
4 27.12.07 02.03.09 8067,32 3666,41 54,55% 310 14,3 7514,46 104,95% -6,85%
5 25.04.11 05.09.11 7514,46 5189,93 30,93% 95 4,4 12374,73 138,44% 64,68%
6 07.04.15 28.09.15 12374,73 9553,07 22,80% 125 5,8 11293,76 18,22% -8,74%
7 23.11.15 08.02.16 11293,76 8967,51 20,60% 55 2,5 11814,27 31,75% 4,61%

Die Zeiträume der sinkenden Kurse liegen zwischen 2,5 Monaten und drei Jahren. Die Kursrückgänge belaufen sich zwischen 20% und 70%.
Wir erkennen also eine breite Spanne. Deshalb wollen wir uns im nächsten Artikel etwas eingehender mit den einzelnen Abwärtsphasen befassen.

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