Die Trendfolgestrategie ist der technischen Analyse zuzuordnen und wird überwiegend beim Daytrading und kurzfristigem Anlagehorizont verwendet. Die Strategie läßt sich aber auch längerfristig einsetzen.
Diesen längerfristigen Ansatz wollen wir in diesem Artikel vorstellen.
Dazu werden die 5 Aktien des DAX zu gleichen Geldanteilen gekauft, die in den letzten 12 Monaten den höchsten Kursanstieg verzeichneten. Nach einem Jahr werden die Wertpapiere verkauft und durch die neuen “Highflyer” ersetzt. In einigen Quellen wird nur der Kauf von 3 Titeln vorgeschlagen, was aber die Volatilität und entsprechend das Risiko erhöht.
Die Strategie geht in die Richtung der Relativen-Stärke-Strategie. Hier hatte – wie bereits erwähnt – Robert Levy festgestellt, dass Aktien, die über einen längeren Zeitraum gestiegen waren, diese Tendenz zumeist noch eine zeitlang beibehalten.
Bei der mechanischen Trendfolgestrategie, die hier eingesetzt wird, macht sich negativ bemerkbar, dass auf Trendwechsel erst sehr spät reagiert wird, was vor allem in einem Bärenmarkt fatale Folgen haben kann.
Aus diesem Grund wird in einem der nächsten Artikel eine modifizierte Strategie vorgestellt, die die Nachteile abmildern soll.
Regeln der Trendfolgestrategie
- Die 1-Jahres Performance der 30 DAX-Werte ermitteln (z.B. über Ariva oder Onvista ).
- Die Aktien nach Höhe der 1-Jahres Performance sortieren. An Position 1 steht die Aktie mit der höchsten Jahresperformance.
- Die ersten 5 Werte der Rangliste zu gleichen Geldanteilen kaufen.
- Nach einem Jahr werden alle Werte verkauft und erneut die 5 Wertpapiere mit der höchsten Jahresperformance gekauft.
Aktualisierung:
Für den DAX sieht die Auswahl zum 30.12.2015 wie folgt aus:
Rang | Unternehmen | WKN | 52-Wochen-Performance in% |
1 | Adidas | A1EWWW | 56,04 |
2 | Fresenius | 578560 | 52,85 |
3 | Infineon | 623100 | 52,69 |
4 | Deutsche Börse | 581005 | 37,44 |
5 | HeidelbergCement | 604700 | 28,58 |
6 | Continental | 543900 | 27,91 |
7 | Deutsche Telekom | 555750 | 25,96 |
8 | SAP | 716460 | 25,95 |
9 | Fres.Med.Care | 578580 | 25,68 |
10 | Beiersdorf | 520000 | 24,83 |
11 | Allianz | 840400 | 19,08 |
12 | Henkel Vz. | 604843 | 15,41 |
13 | Merck | 659990 | 14,22 |
14 | Daimler | 710000 | 12,48 |
15 | Munich Re | 843002 | 11,34 |
16 | BMW | 519000 | 8,76 |
17 | Vonovia | A1ML7J | 6,72 |
18 | Lufthansa | 823212 | 5,31 |
19 | K+S | KSAG88 | 3,08 |
20 | Bayer | BAY001 | 2,48 |
21 | BASF | BASF11 | 1,20 |
22 | Deutsche Post | 555200 | -4,03 |
23 | Siemens | 723610 | -4,13 |
24 | Deutsche Bank | 514000 | -9,85 |
25 | Commerzbank | CBK100 | -12,82 |
26 | Linde | 648300 | -13,16 |
27 | ThyssenKrupp | 750000 | -13,73 |
28 | VW Vz. | 766403 | -27,57 |
29 | Eon | ENAG99 | -37,08 |
30 | RWE | 703712 | -54,35 |
Werfen Sie dazu auch einen Blick auf das virtuelle Depot.
Vor- und Nachteile der Trendfolgestrategie
Nachteile:
- Die Kurse der Aktien mit hoher Performance sind bereits stark gestiegen.
- Bis die Aktien verkauft werden, kann der Kurs bereits stark gefallen sein.
- Auch deshalb schneidet die Strategie in einem Bärenmarkt nicht so gut ab.
- Vielen Anlegern kostet es Überwindung bei hohen Kursen zu kaufen.
Vorteile:
- Die Strategie ist leicht verständlich.
- Die Umsetzung erfordert nur einen minimalen Aufwand.
- Die Investition ist frei von Emotionen.
- Die Umschichtung der Aktien erfolgt in der Regel nur einmal im Jahr.
- Die Börsenweisheit “The trend is your friend” wird befolgt.
6 Kommentare
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Besten Dank Herr Maier für Ihre sehr spannende Webseite!
Bei dieser Strategie fehlen historische Performancedaten. Interessant wäre neben der jährlichen Performance auch Angaben zu den Risikoparametern (z.B. max. Drawdown, längste Verlustphase, Volatilität), etc. bei den verschiedenen Strategien.
Autor
Vielen Dank für den Vorschlag.
Die historischen Daten fehlen ganz einfach aus dem Grund, dass ich keine stichhaltigen Daten gefunden haben.
Eigene Backtests wie bei anderen Strategien sind bei der Trendfolgestrategie extrem umfangreich und sind mit meinen Möglichkeiten vom Umfang her kaum machbar.
Was ich aber in naher Zukunft umsetzen möchte, ist eine Analyse der Depotentwicklung der einzelnen Strategien im Bezug zum Gesamtmarkt. Dabei sollen auch Parameter, wie von Ihnen vorgeschlagen, ermittelt werden.
Guten Abend Herr Maier,
bin zufällig auf Ihren Blog gestossen. Für das Backtesting eignet sich sehr gut die Börsensoftware von DAXA-Chart. Die ist sehr preiswert, verwendet aber nur Wochenschlusskurse. Für das Backtesting sicher kein Hindernis.
Siehe : https://www.daxa-chart.de/
Guten Rutsch und ein erfolgreiches Neues Jahr
Autor
Hallo Herr Wönkhaus,
vielen Dank für den Tipp.
Ich hätte noch eine Frage: Beinhaltet die Datenbank der Profi-Version nur Kursdaten oder auch weitere Daten?
Noch ein schönes und erfolgreiches Jahr 2018.
Hallo Herr Maier,
für mich ist es überraschend, dass eine so einfache Strategie doch so erfolgreich ist – immerhin kommt sie ja in die Top 3 der von Ihnen untersuchten Strategien.
Neben dem mMn viel zu großen Zeitraum zwischen zwei Überprüfungen merken Sie ja zurecht an, dass es oftmals der Faktor Mensch ist, der einer korrekten Umsetzung im Wege steht: „Vielen Anlegern kostet es Überwindung bei hohen Kursen zu kaufen.“ Dazu kommt noch der anderer Stelle beschriebene Widerstand, Verluste zu realisieren.
Gänzlich unerwähnt bleibt der Anlagemarkt, d.h. in welchen Ländern man Aktien kauft. Bei vielen Neobrokern ist es ja heute zu sehr übersichtlichen Kosten möglich, auch ausländische Aktien zu kaufen. Im direkten Vergleich sind US-amerikanische Aktien in den letzten Jahren sehr viel besser gelaufen als europäische.
Den ganzen Aufwand kann man mMn mit dem Kauf eines MSCI World Momentum UCITS ETF (z.B. Xtrackers, WKN A1103G) optimieren. Dann muss man sich um gar nichts mehr kümmern und erzielt (außerhalb von Bärenmärkten) sogar stets eine höhere Performance als mit einem MSCI World, egal, welchen Zeitraum man betrachtet. Und das will doch schon etwas heißen.
Freundliche Grüße
Autor
Hallo Herr Schulze,
vielen Dank für den sachkundigen Kommentar. Die Einfachheit und der Erfolg waren mit der Hintergrund für den Artikel “Wie kompliziert darf eine Aktienstrategie sein?”. Vielleicht haben Sie ihn gelesen?
Es gibt viele Untersuchungen, die den Erfolg von Momentumstrategien belegen. Klar sind sie volatil und laufen nicht jedes Jahr gut, aber langfristig ist deren Performance gut belegt.
Daneben sprechen Sie zwei Punkte an, die ebenfalls vollkommen korrekt sind: Der große Überprüfungzeitraum und der reine Bezug auf deutsche Aktien.
Würde ich die Strategien nicht virtuell, sondern mit echtem Geld führen, würde ich kontinuierlich überprüfen, ob eine Aktie nicht besser verkauft werden sollte. Aber bei der großen Anzahl an virtuellen Depots fehlt mir einfach die Zeit, jede Aktie ständig zu überprüfen. Denn: Wenn sie fällt, aber der gesamte Markt fällt, besteht für mich noch kein Grund zu verkaufen.
Zum Thema deutsche Aktien: In meinem privaten Depot beträgt der Anteil deutscher Aktien vielleicht zwischen 10% und 20%. Ziel war einfach Strategien vorzustellen. Der Ursprung vieler Strategien kommt auch aus den USA. Da ich über Börse Online aber an Exceldaten der deutschen Aktien komme, fällt es mir viel leichter, die Auswahl darüber zu treffen.
Aber den Sinn der Website habe ich schon immer darin gesehen, als Ideengeber zu dienen. So haben Sie den guten Vorschlag unterbreitet mit dem MSCI World Momentum UCITS ETF. Möglicherweise dient der Hinweis einem anderen Leser zur Umsetzung einer eigenen Strategie.
Falls noch Fragen oder Anregungen bestehen, würde ich mich freuen, wieder von Ihnen zu hören, ansonsten viel Erfolg.
Beste Grüße
Mathias
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