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Nov 23

Untersuchung zu weiteren 200-Tage-Linien Strategien

7Jahre_DAXDiag-01(auf Grafik klicken zum Vergrößern)

Ein großer Nachteil der 200-Tage-Linien Strategie ist – wie bereits erwähnt – die Gefahr von häufigen Fehlsignalen, vor allem in Seitwärtsmärkten.
Deshalb wurde schon immer nach Möglichkeiten gesucht,
die Strategie zu optimieren. Oftmals wird in diesem Zusammenhang ein zweiter, kürzer gleitender Durchschnitt in Kombination mit der 200-Tage-Linie eingesetzt.
Gängige Werte sind der 38-, 50- und 65-Tage-Durchschnitt.
Die Umsetzung ist denkbar einfach: durchbricht die kürzerperiodische Linie (z.B. die 38-Tage-Linie)
die 200-Tage-Linie nach oben, so wird ein Kaufsignal erzeugt. Erfolgt der Durchbruch nach unten, wird ein Verkaufssignal generiert.
In der Charttechnik bezeichnet der Begriff
“Todeskreuz” das Durchschneiden der 50-Tage-Linie unter die 200-Tage -Linie.


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Im weiteren Verlauf werden die Kombinationen der 200-Tage-Linie mit der 38-Tage-Linie, der 50-Tage-Linie, der 65-Tage-Linie und der 90-Tage-Linie über einen Zeitraum von  sieben Jahren hinweg bezüglich der jeweiligen Performance untersucht. Wie schon bei der vorausgegangenen Untersuchung werden die Variationen nochmals aufgeteilt in eine reine Long-Variante und eine Long- und Short-Variante.
Bei der Long-Variante werden nach einem Kaufsignal DAX-ETFs erworben
, die sich 1:1 wie der DAX-Index bewegen. Erfolgt ein Verkaufssignal, werden die DAX-ETFs in Bargeld umgeschichtet.
Bei der Long- und Short-Variante werden ebenfalls DAX-ETFs nach einem Kaufsignal bezogen. Nach einem Verkaufssignal wird allerdings in Short-ETFs umgeschichtet, die sich gegenläufig zum DAX-Index entwickeln.

Der aufgeführte Vergleich bezieht sich auf den Zeitraum vom 1.01.2007 bis zum 30.12.2013. Für die Untersuchung wurde der DAX-ETF mit der Wertpapierkennnummer DBX1DA für die Umsetzung der Kaufsignale eingesetzt. Als Short-ETFs – falls von der Variante her gefordert – wurde das Papier mit der WPKN DBX1DS verwendet. Wie bei den Depots werden für die Kauf- und Verkaufsgebühren 0,1% des Wertes plus 9 € berechnet.
Zusätzlich sind noch die Ergebnisse der Varianten aufgeführt, die für die 200-Tage-Linien Strategie verwendet werden (200-Tage-Linie inklusive 3%-Toleranz).

 

Typ Bezeichnung Startwert absolut Endwert absolut Rendite absolut [%] Rendite jährlich [%]
           
1a GD 200 – GD 38 ohne Short 20.000,00 € 29.692,43 € 48,46% 5,81%
1b GD 200 – GD 38 mit Short 20.000,00 € 25.841,03 € 29,21% 3,73%
2a GD 200 – GD 50 ohne Short 20.000,00 € 30.625,32 € 53,13% 6,28%
2b GD 200 – GD 50 mit Short 20.000,00 € 27.999,59 € 40,00% 4,92%
3a GD 200 – GD 65 ohne Short 20.000,00 € 32.431,91 € 62,16% 7,15%
3b GD 200 – GD 65 mit Short 20.000,00 € 31.763,34 € 58,82% 6,83%
4a GD 200 – GD 90 ohne Short 20.000,00 € 30.610,34 € 53,05% 6,27%
4b GD 200 – GD 90 mit Short 20.000,00 € 28.205,52 € 41,03% 5,03%
5 DAX Buy-and-Hold 6614,73 9552,16 44,41% 5,39%
6a mit 3%-Toleranz ohne Short 20.000,00 € 34.389,76 € 71,95% 8,05%
6b mit 3%-Toleranz inkl. Short 20.000,00 € 38.490,90 € 92,45% 9,80%

Zwei Punkte fallen sofort ins Auge:

  • Bei der Verwendung zweier gleitender Durchschnitte schneiden alle Varianten mit Short-Anteil schlechter ab als die Varianten mit reinem Long-Anteil (im Gegensatz zur Standard 200-Tage-Linien Strategie mit 3%-Toleranz).
  • Am besten schneidet die Kombination aus 200-Tage-Linie und 65-Tage-Linie ab, aber auch diese Spielart erreicht nicht die Rendite der Standard 200-Tage-Linien Strategie mit 3%-Toleranz.


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Typ Bezeichnung Anzahl Käufe Anzahl Verkäufe Anteil Tage Long [%] Anteil Tage Short [%] Anteil Tage nicht investiert [%]
             
1a GD 200 – GD 38 ohne Short 3 2 56,84% 0,00% 43,16%
1b GD 200 – GD 38 mit Short 3 3 56,84% 27,97% 15,19%
2a GD 200 – GD 50 ohne Short 3 2 56,45% 0,00% 43,55%
2b GD 200 – GD 50 mit Short 3 3 56,45% 28,42% 15,13%
3a GD 200 – GD 65 ohne Short 3 2 55,44% 0,00% 43,44%
3b GD 200 – GD 65 mit Short 3 3 55,44% 28,14% 15,30%
4a GD 200 – GD 90 ohne Short 2 1 55,83% 0,00% 44,11%
4b GD 200 – GD 90 mit Short 2 2 55,83% 28,48% 15,64%
5a mit 3%-Toleranz ohne Short 3 2 57,34% 0,00% 42,66%
5b mit 3%-Toleranz inkl. Short 3 3 57,34% 27,91% 14,74%

Auch bezogen auf die Anzahl der Kauf- und Verkaufssignale bieten die Modifikationen keine Optimierung, zumindest in Bezug auf die 200-Tage-Linien Strategie mit Toleranz.

Tendenziell kommt auch ein Performance-Test der FAZ.net im Artikel “Gleitende Durchschnitte helfen dabei den Markt zu schlagen” zu ähnlichen Ergebnissen.
Zu beachten ist, dass in dem Test der Bezugsindex der S&P 500 ist, und dass die 200-Tages-Linien Strategie ohne Toleranz getestet wurde.

Zuletzt soll noch ein Blick auf einen verkürzten 4-Jahres Zeitraum (2010 bis 2013) geworfen werden, in dem kein Bärenmarkt auftrat.

Typ Bezeichnung Startwert absolut Endwert absolut Rendite absolut [%] Rendite jährlich [%]
           
1a GD 200 – GD 38 ohne Short 20.000,00 € 26.123,25 € 30,62% 6,91%
1b GD 200 – GD 38 mit Short 20.000,00 € 19.322,72 € -3,39% -0,86%
2a GD 200 – GD 50 ohne Short 20.000,00 € 25.453,16 € 27,27% 6,21%
2b GD 200 – GD 50 mit Short 20.000,00 € 18.332,26 € -8,34% -2,15%
3a GD 200 – GD 65 ohne Short 20.000,00 € 26.479,97 € 32,40% 7,27%
3b GD 200 – GD 65 mit Short 20.000,00 € 20.598,80 € 2,99% 0,74%
4a GD 200 – GD 90 ohne Short 20.000,00 € 26.746,07 € 33,73% 7,54%
4b GD 200 – GD 90 mit Short 20.000,00 € 19.795,47 € -1,02% -0,26%
5 DAX Buy-and-Hold 5975,42 9552,16 59,86% 12,44%
6a mit 3%-Toleranz ohne Short 20.000,00 € 29.761,08 € 48,81% 10,45%
6b mit 3%-Toleranz inkl. Short 20.000,00 € 38.490,90 € 92,45% 9,80%

Die oben getroffenen Aussagen werden auch für den verkürzten Beobachtungszeitraum bestätigt.

Fazit:

Die durchgeführten Untersuchungen geben keinen Hinweis darauf, dass die Varianten mit zwei gleitenden Durchschnitten eine bessere Rendite als die vorgestellte 200-Tage-Linien Strategie ermöglichen.
Somit besteht auch kein Bedarf, eine diese Modifikationen in einem Depot umzusetzen.


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5 Kommentare

Zum Kommentar-Formular springen

  1. Gast

    Hallo,

    mit sehr großer Aufmerksamkeit habe ich diesen Bericht gelesen. Ich habe eine Frage hierzu, genauer zu der 6a Methode..

    Wie kann ich Benachritigungen einrichten wenn die Kauf und Verkaufssigale vorliegen? Natürlich ist es nicht sehr sinnvoll ständig nachzuschauen ob die 3% Grenzen überschritten bzw. unterschritten wurden. Gibt es eine Möglichkeit wie ich automatisch benachrichtigt werde, wenn dies passiert, z.B. per Email oder noch besser dass es automatisch gekauft und verkauft wird?

    Danke und viele Grüße

    1. Mathias Maier

      Hallo Ognjan,

      leider ist mir keine Möglichkeit bekannt, dass Benachrichtigungen eingerichtet werden können, sobald die 3% Grenzen durchstoßen wurden.
      Auch die Einrichtung automatischer Verkäufe über Stop-Loss oder Käufe über Buy-Stop ist nicht möglich, da die 200-Tage Linie dynamisch verläuft, sich also jeden Tag ändert.

      Allerdings sehe ich für die Umsetzung der Strategie dennoch kein Problem. Zum einen hält sich der Index sehr häufig weit entfernt von den Grenzen auf, so dass eine tägliche Überprüfung nicht notwendig ist.
      Zum anderen beruht die Strategie ja auf einer Trenderkennung und Trendverfolgung, d.h. als Anleger gehen wir davon aus, dass der eingeschlagene Trend längere Zeit anhält.
      Ob wir nun genau mit Überschreiten der Grenze investieren oder einige Tage in’s Land gehen, sollte für die Performance unerheblich sein.
      Für das Musterdepot der 200-Tage-Linien Strategien überprüfe ich einmal wöchentlich (freitags nach Xetra Schluss), ob ein Kauf- oder Verkaufsignal erzeugt wurde. In diesem Fall werden montags die Käufe/Verkäufe ausgeführt.
      Es kann sogar einen Vorteil haben, etwas zu warten, da Fehlsignale zusätzlich ausgefiltert werden.

      Was ich Ihnen anbieten kann, ist ein OpenOffice Calc Dokument, in dem Sie nur das Datum und den Tagesschlusskurs eintragen müssen und die Werte angezeigt bekommen.
      Es wird auch farblich dargestellt, ob der Kauf- oder Verkaufsmodus vorliegt. Mit einem Addon lässt sich das Dokument auch in Excel konvertieren.

      1. Björn

        Hallo Mathias,

        vielen Dank für deine ausführlichen Erklärungen zu der 200-Tage-Linie Strategie.
        Deine Artikel sind wirklich interessant und gut verständlich.

        Ich bin sehr interessiert an deinem OpenOffice Calc Dokument und würde mich sehr freuen, wenn du es mir per E-Mail schicken könntest.
        Das wäre toll.

        Ich möchte aber auch noch einmal die Frage von Ognjan aufgreifen:
        Gibt es irgendeine Webseite oder eine Smartphone App, die Alarme auslöst?
        Es muss ja nicht zwingend die 3 % Toleranz Grenze sein, das einfache Kreuzen des Kurses mit der 200-Tage-Linie würde mir schon reichen.

        Oder gibt es evtl. ein Windows Widget, bei dem Kursverlauf und die GD200 Linie auf dem Desktop angezeigt werden?

        Ich würde mich freuen, wenn du einen Tipp hättest.

        Vielen Dank und viele Grüße
        Björn

        1. Mathias Maier

          Hallo Björn,

          es freut mich sehr, dass Dir die Artikel gefallen. Die nächsten Themen sind in Vorbereitung. Da ich ständig auf der Suche nach Themen bin, wäre es toll, wenn ich ein paar Vorschläge erhalten würde, was die Leser interessiert.

          Gerne sende ich Dir die Dokumente per E-Mail. Da ich die Tabellen für mich erstellt habe, hoffe ich, dass alles nachvollziehbar und verständlich ist.

          Zur Frage nach den Alarmmeldungen: Für Trading-Signale gibt es – glaube ich – solche Möglichkeiten. Ob es diese auch für die 200-Tage-Linie gibt, weiß ich nicht. Gib mir ein paar Tage (über das Wochenende), vielleicht finde ich etwas.

          Für Kursverläufe des DAX und der 200-Tage-Linie gibt es von Börsen- und Finanzportalen viele Charts. Dazu sind ein paar Klicks erforderlich.
          Geht die Frage in diese Richtung oder soll es komfortabler sein?

          Beste Grüße
          Mathias

          1. Björn

            Hallo Mathias,

            vielen Dank für deine schnelle Antwort.

            Deine E-Mail mit den Tabellen habe ich erhalten. Auch dafür vielen Dank.
            Ich werde sie am Wochenende einmal genauer studieren und schauen, ob ich sie für meine Auswertungen individualisieren kann.

            Die Charts der Finanzportale wie z. B. boerse.de oder onvista.de kenne ich.
            Um aber nicht in die Abhängigkeit zu geraten, bis ins Rentenalter jeden Tag die Internetseiten aufzurufen, wäre eine App oder ein Widget, das die Charts ausgewählter Indizes direkt auf dem Desktop oder Smartphone anzeigt (ähnlich einem Wetter-Widget) sehr komfortabel.
            Die Premium- oder Rundum-Sorglos-Lösung wäre natürlich eine automatische Benachrichtigungsfunktion bei Eintritt ausgewählter Ereignisse (z. B. Kreuzen der 200-Tage-Linie) per E-Mail oder Smartphone App.
            Falls du hierzu etwas findest, würde ich mich sehr freuen.

            Wenn du auf der Suche nach neuen Themen bist: Vielleicht wäre es interessant zu untersuchen, ob es Sinn ergibt, zwei einfache Strategien zu kombinieren, z. B. einfaches Fondssparen und Sell-In-Summer. D. h. die monatliche Sparrate läuft das ganze Jahr durch, aber jedes Jahr im Juni wird der Depotbestand verkauft und im Oktober neu gekauft.
            Oder eine Kombination aus 200-Tage-Linie-Strategie und Sell-In-Summer.

            Mein persönlicher Anlass zum Einstig in den Aktienmarkt ist nicht das schnelle Geld an der Börse, sondern der Aufbau einer Altersvorsorge mit guter Rendite und ausgewogenem Risiko. Ich bin Selbstständig und muss daher komplett privat vorsorgen.
            Daher sind alle Themen rund um Altersvorsorge interessant für mich.

            Weiterhin interessiert mich, ob es sinnvoll ist trotz der aktuellen Hochphase jetzt in den Dax oder S&P 500 einzusteigen oder ob es besser ist, ganz konsequent auf ein Signal nach der 200-Tage-Strategie zu warten. Es wäre ja durchaus möglich, dass ein solches Signal erst in zwei, drei Jahren kommt.

            Viele Grüße
            Björn

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