Der Kansas City Financial Stress Index

the-stress-1473487-1279x927Kansas City war in der letzten Zeit vor allem Dank dem Football Team, das den Super-Bowl gewann, in den Schlagzeilen.
Leider war ich noch nicht in Kansas City, so dass ich Ihnen nichts über die Sehenswürdigkeiten vor Ort berichten kann. Aber alternativ – und wahrscheinlich auch viel passender zur Thematik der Website – möchte ich den Kansas City Financial Stress Index (KCFSI) vorstellen.

Der Name klingt nun nicht so verlockend, als dass er danach schreit, einen zweiten Blick darauf zu werfen. So wäre mir der Index und seine Bedeutung beinahe entgangen. Doch ein Diagramm mit übereinandergelegtem Index-Verlauf und dem Verlauf des DAX, ließ das Interesse sofort deutlich anwachsen.

Herkunft und Merkmale des Kansas City Financial Stress Index

Entwickelt wurde der Index von der Federal Reserve Bank in Kansas City (Craig Hakkio und William Keeton) als Resonanz auf die Finanzkrise 2008/2009, quasi als künftiges Frühwarnsystem.
Bitte wundern Sie sich nicht, dass Daten bereits ab 1990 aufgeführt sind. Hierbei handelt es sich um Rückrechnungen.

Grundlage ist die Frage, wo das Geld hinfließt. Herrscht Stress im Märkt, so unterscheiden sich die Geldflüsse gegenüber „normalen“ Marktphasen.

So bedeutet Unsicherheit eigentlich, dass keine oder wenige konkrete Information vorhanden sind, denn wenn alle Fakten vorliegen, lässt sich ja eine eindeutige Richtung einschlagen. Bei einer eindeutigen Richtung folgen auf kleine Änderungen der Nachrichtenlage auch kleine Kursänderungen. Ohne konkrete Informationen kann jede Neuigkeit zu großen Kursverwerfungen führen. Es steigt also die Volalilität.
Im Rentenmarkt herrscht eine Asymmetrie der Informationen zwischen Geldgeber und Schuldner. Anleger gehen raus aus riskanten Werten und flüchten in Qualität. Ferner werden liquide Anlagen bevorzugt, die schnell wieder verkauft werden können.
Nicht zuletzt wird ein Herdentrieb ausgelöst, in der Anleger der breiten Masse folgen.

Der Kansas City Financial Stress Index basiert auf 11 Größen des US-Finanzsystems, die monatlich ermittelt und in einem Index dargestellt werden.
Davon beziehen sich 7 Größen auf den Rentenmarkt und 4 Größen auf den Aktienmarkt. Auf die einzelnen Komponenten einzugehen macht wenig Sinn. Interessierte finden alle Informationen bei der Kansas City Fed unter folgendem Link.

Obwohl der Index auf das US-amerikanischen Marktsystem aufbaut, ist die Korrelation zum hiesigen Finanzsystem doch so groß, dass er durchaus Anwendbarkeit für den deutschen Markt hat. Darauf kommen wir in Kürze nochmals zurück.

Historisches Verhalten des Kansas City Financial Stress Index

Nachfolgend ist das Diagram des KCFSI zurückgerechnet bis Februar 1990 aufgeführt. Die Null-Linie stellt den langjährigen Durchschnitt dar. Negative Werte stehen für wenig Stress in den Märkten, während positive Werte für eine gewisse Unsicherheit steht. In der Regel werden Werte ab +1 als Verkaufssignale interpretiert.

Diagramm01Ein Klick auf das Diagramm bewirkt die Anzeige in Originalgröße.

Extreme Stresssituationen traten Ende 1990, zwischen der 2.Jahreshälfte 1998 und Anfang 2003, sowie Herbst 2007 bis September 2009 auf.
Nun wollen wir die aus den DAX-Ständen ermittelten Bärenmärkte über den gesamten Zeitraum überlagern:

Diagramm01_bWir können feststellen, dass die Dot.com-Blase ab 2000 mit einem Minus von fast 70%, die Finanzkrise ab 2008 mit einem Abschlag um fast 55% und die Baisse in 1998 erkannt wurden.
Fünf weitere Bärenmärkte mit Kursrückgängen von meist knapp über 20% (mit Ausnahme 2011 mit einem Minus von 30,9%) wurden nicht erkannt.

Bis jetzt haben wir also einen Pluspunkt durch das Erkennen der großen Bärenmärkten, sowie einen Minuspunkt durch das Nicht-Erkennen der kleineren Baisse‘.
Wenden wir uns jetzt noch einmal etwas genauer dem negativen Teil zu, denn es gibt zwei Punkte, die dies relativieren:

  1. Viele Investoren sind davon überzeugt, dass ein Langfristanleger kleinere Crashs durchaus aussitzen können muss. Zum einen sind diese schwer zu prognostizieren, zum anderen wurden diese Verluste in der Vergangenheit meist schnell wieder aufgeholt.
  2. Wie bereits zuvor erwähnt, wurde der Kansas City Financial Stress Index für den amerikanischen Finanzmarkt konzipiert. Legen wir den S&P 500 Index zugrunde,  so gab es über den Zeitraum nur zwei Bärenmärkte, nämlich die Dot.com-Blase und die Finanzkrise. Damit zeigt sich der Index nochmals deutlich überzeugender.
    Bestätigt wird aber auch der Spruch, dass der DAX einen Schnupfen bekommt, wenn die Wall Street niest.

Strategievergleiche Kansas City Financial Stress Index

Der Beobachtungszeitraum des Vergleichs reicht vom 02.01.1990 bis zum 30.09.2019.
Folgende Strategien mit dem Stress Index und folgende Vergleichsstrategien werden gegenübergestellt:

  • KCFSI direkt: Verkauf wenn Indexwert größer gleich 1 ist und Kauf wenn Indexwert kleiner als 1 ist.
  • KCFSI Folgemonat (2 M): Verkauf wenn Indexwert größer gleich 1 ist und Kauf wenn Indexwert länger als 1 Monat kleiner als 1 ist.
  • KCFSI < 0,5: Verkauf wenn Indexwert größer gleich 1 ist und Kauf wenn Indexwert kleiner als 0,5 ist (häufig verwendet).
  • DAX Buy-and-Hold: Kauf von DAX-Zertifikaten am 2.01.1990 und Halten der Zertifikate bis zum Datum der Auswertung am 30.09.2019.
  • DAX 200-Tage Strategie mit 3%-Regel: Entsprechend den Regeln der Strategie.

 

Strategie Kurs Gesamt- Jährliche
30.09.19 Perform. Rendite
     
KCFSI direkt 623.268,93 € 523,27% 6,58%
KCFSI Folgemonat (2 M) 746.704,78 € 646,70% 7,26%
KCFSI Kauf < 0,5 1.087.342,98 € 987,34% 8,67%
DAX Buy-and-Hold 685.043,68 € 585,04% 6,93%
DAX 200 Tage (3% Regel) 989.318,31 € 889,32% 8,31%

Von den untersuchten Strategien schneidet die Strategie des sofortigen Kaufs sogar schlechter ab als der DAX, während die Strategie mit dem Kauf nach einem Monat Karenzzeit leicht besser als eine reine Buy-and-Hold Strategie des DAX abschneidet.
Deutlich besser – auch besser als die DAX 200-Tage Strategie – zeigt sich die Strategie mit dem Kauf unterhalb eines Indexstandes von 0,5.

Neues Börsensignal

Obwohl der Stress Index für den US-amerikanischen Markt konzipiert wurde, konnte er alle großen Rezessionen des deutschen Aktienmarktes erkennen.
Deshalb soll der Indikator mit in die monatlich ermittelten Börsensignale aufgenommen werden.
Dabei wird ein Verkaufssignal ausgegeben, wenn Indexwert größer gleich 1 ist und Kaufsignal wenn Indexwert kleiner als 0,5 ist.

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