Analyse von Aktienkennzahlen – Teil 8: Dividenden

Häufig werden Aktien auch als Dividendenpapiere bezeichnet. Dividenden sind Ausschüttungen mit denen Unternehmen die Aktionäre am Gewinn beteiligen.
Aber nicht alle Unternehmen zahlen Dividenden, auch wenn sie Gewinne erzielen. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass durch eine Re-Investition mehr Gewinn für die Aktionäre durch steigende Kurse generieren wird als durch Auszahlung einer Dividende.

Erläuterung zur Dividende

Im Zusammenhang mit der Dividende wird üblicherweise die Dividendenrendite angegeben:

 Dividendenrendite = \dfrac{Dividende je Aktie}{Aktienkurs}

 

Am Beispiel Allianz mit den Zahlen des Depots von 2021 sieht das wie folgt aus:

 {Dividendenrendite Allianz = \dfrac{Dividende je Aktie 2020e}{Aktiekurs 30.12.2020} = \dfrac{9,60}{200,70} = 4,78 \%}

 

Zu beachten ist, dass die Dividende für das Jahr 2020 erst in 2021 ausgezahlt wird. Deshalb handelt es sich auch um Schätzungen. Allerdings sind diese Schätzungen bis auf wenige Ausnahmen in der Regel genauer als die bei den Gewinnschätzungen.
Die Auszahlung erfolgt im deutschen Raum zumeist komplett am Handelstag nach der Hauptversammlung. Linde Plc als Beispiel zahlt dagegen die Dividende vierteljährlich. Diese Vorgehensweise ist auch häufig im anglo-amerikanischen Raum anzutreffen.

Ein Depot bezieht sich in Folge auf die aktuell erwartete Dividendenrendite, d.h. auf die 20 Unternehmen aus dem Aktienpool mit der höchsten Dividendenrendite.
Nun kann es aber vorkommen, dass eine Aktiengesellschaft nur einmalig eine hohe Dividendenrendite aufweist, beispielsweise wegen einer Sonderdividende. Wünschenswert wäre aber eine stabile oder gar steigende Dividendenausschüttung. Deshalb wurde ein zweites Depot aufgesetzt, in dem Firmen vertreten sind, die in den letzten 10 Jahren keine Kürzung der Dividende vorgenommen haben. Aus dieser Auswahl werden dann die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite selektiert.

Platzierung der Dividenden-Depots

Beide Dividenden-Depots sind mit den Plätzen 20 und 22 im breiten Mittelfeld zu finden.
Schauen wir uns die Performance der einzelnen Jahre an:

Jährliche Performance der Dividenden-Depots

Klar ist auch der Vergleich zu DAX und HDAX interessant, aber der direkte Vergleich muss zum Depot mit allen Aktien (Depot Alle) geführt werden. Zum einen wird hier tatsächlich der gleiche Aktienpool verwendet, zum anderen ist hier auch die Gewichtung jeder Aktie gleich, während bei DAX und HDAX die Gewichtung proportional zur Marktkapitalisierung ist.

Um Auffälligkeiten festzustellen ist im u.a. Auszug die Performance der Dividenden-Depots farblich im Bezug zum Depot mit allen Aktien aufgeführt. Dabei haben die Farben folgende Bedeutung:

  • Gelbgrün: Performance Dividenden-Depots mehr als 5% besser als das Depot mit allen Aktien.
  • Hellgrün: Performance Dividenden-Depots zwischen 2% und 5% besser als das Depot mit allen Aktien.
  • Orange: Performance Dividenden-Depots zwischen 2% und 5% schwächer als das Depot mit allen Aktien.
  • Rot: Performance Dividenden-Depots mehr als 5% schwächer als das Depot mit allen Aktien.

Beim Depot Dividenden-Rendite lässt sich – bei aller Vorsicht aufgrund der relativ dünnen Datenlage – der Trend erkennen, dass in Jahren in denen das Gesamtdepot schlecht abgeschnitten hat, die Performance deutlich besser ist.
Gegen diese These spricht allerdings das Ergebnis des Jahres 2022 beim Depot „Dividende Kontinuität 10 Jahre“. Generell waren Immobilienaktien bei den Dividenden-Depots stark gewichtet. Da die Immobilienaktien relativ gut verdient haben, konnten sie auch die Dividende halten oder auch häufig erhöhen. Im Jahr 2022 sind die Immobilienaktien im Depot „Dividende Kontinuität 10 Jahre“ mit 40 Prozent extrem stark vertreten. Da aber Zinserhöhungen für diese Aktiengattung Gift sind und folglich abverkauft wurden, belasten sie das Depot auch überproportional.

Auffälligkeiten und Fakten zu den Dividenden-Depots

  • Klumpenbildung (mangelnde Diversifikation)
    Wie zuvor bereits ausgeführt, sind Immobilienaktien extrem stark gewichtet (im Mittel zwischen 20% und 25% und in der Spitze um 40%). Die möglichen Folgen sind im Jahr 2022 beim Depot „Dividende Kontinuität 10 Jahre“ deutlich zu erkennen.
    Neben den Immobilienaktien ist eine gewisse Branchen-Streuung vorhanden. Allerdings fehlen Technologie-, Softwareunternehmen u.ä.
  • Verfehlung der Schätzung der erwarteten Dividende
    Da die Dividenden für ein Geschäftsjahr erst im Folgejahr ausgeschüttet werden, beruhen die verwendeten Zahlen auf Schätzungen. Allerdings sind die Schätzungen meist recht gut zu prognostizieren, womit die Abweichungen gering sind. Doch es gibt auch Ausnahmen wie beim Depot Dividendenrendite 2016:
    Für RWE wurde eine Dividende von 0,50€ je Aktie erwartet, was eine Dividendenrendite von 4,27% entsprochen hätte. Tatsächlich wurde aber keine Dividende ausbezahlt, da RWE zwischenzeitlich in die Verlustzone beim operativen Geschäft gerutscht war. Unter diesen Voraussetzungen wäre RWE dann auch nicht ins Depot aufgenommen worden.
  • Hohe Dividendenrendite aufgrund eines Kurssturzes
    Bleibt eine Dividende konstant, aber der Kurs hat sich zuletzt halbiert, so steigt die Dividendenrendite auf das Doppelte an. Zuerst einmal stellt dieser Umstand kein prinzipielles Problem dar, solange der Kurssturz temporäre Ursachen hat. Daneben besteht aber die Gefahr, dass z.B. das Geschäftsmodell nicht mehr gefragt ist. In diesem Fall ist die hohe Dividendenrendite als Warnsignal einzustufen.
  • Steigende Dividenden als Zeichen eines guten Geschäftsverlaufes
    Bei der Auswertung der Daten ist mir eines relativ schnell ins Auge gefallen: Aktien, die stetig ihre Dividenden erhöhten (die Dividende kann auch zwischendurch einfach mal konstant bleiben), hatten eine relativ gute Performance. Dazu ein Beispiel aus dem Depot „Dividendenrendite“ des Jahres 2014, das in ähnlicher Form auch in den anderen jahren zu erkennen ist.

Hier wurden bei den fünf Werten mit der höchsten Performance  und dem Wert mit der geringsten Performance die Dividendenzahlung der letzten fünf jahre mit angegeben.
Bei den Aktien mit der guten Performance ist zu erkennen, dass die Höhe der Dividende tendenziell steigt, auch wenn sie zwischendurch auch mal konstant bleibt, um dann aber wieder einen Sprung vorzunehmen. Lediglich bei Hannover Rück ist im Jahre 2011 ein kleiner Rückgang erkennbar, um danach aber sofort wieder anzusteigen.
Bei MLP sinkt die Dividende in den letzten beiden Jahren. Das lässt auch auf einen Rückgang des operativen Geschäftes, bzw. des Gewinnes schließen, was den Kursrückgang erklärt.
Aber bezüglich der Höhe der Dividenden ist noch ein Wert zu beachten, der direkt im Anschluss behandelt wird.

  • Ausschüttungsquote
    Hohe Dividendenzahlungen haben ja einen gewissen Charm, aber das Unternehmen muss sich die Zahlungen auch leisten können. Erzielt eine AG einen Gewinn je Aktie von 5,00€, zahlt aber 6,00€ Dividende, so muss ein Teil der Dividende aus der Substanz entnommen werden.
    Das Verhältnis von Dividende zu Gewinn je Aktie wird als Ausschüttungsquote bezeichnet. Im obigen Beispiel würde die Ausschüttungsquote bei 120% liegen.
    Je nach Quelle wird eine maximale Ausschüttungsquote von 60% bis 70% empfohlen. darüber hinaus sollte es nur in Ausnahmefällen gehen.

Auflistung der Daten

Im folgenden sind die Depotdaten der Analyse für jedes Jahr der Auswertung aufgeführt.
Sortiert wurde nach der Dividendenrendite beginnend mit der größten Rendite eines jeden Depots.
Beim Endwert sind die Dividenden mit eingerechnet.
Durch das Anklicken werden die Bilder im Vollbildmodus angezeigt, mit dem <Zurück-Button> des Browsers gelangen Sie auf die Artikelseite zurück.

Depot Dividendenrendite Jahr 2014

Depot Dividende 10 Jahre Kontinuität Jahr 2014

Depot Dividendenrendite Jahr 2015

Depot Dividende 10 Jahre Kontinuität Jahr 2015

Depot Dividendenrendite Jahr 2016

Depot Dividende 10 Jahre Kontinuität Jahr 2016

Depot Dividendenrendite Jahr 2017

Depot Dividende 10 Jahre Kontinuität Jahr 2017

Depot Dividendenrendite Jahr 2018

Depot Dividende 10 Jahre Kontinuität Jahr 2018

Depot Dividendenrendite Jahr 2019

Depot Dividende 10 Jahre Kontinuität Jahr 2019

Depot Dividendenrendite Jahr 2020

Depot Dividende 10 Jahre Kontinuität Jahr 2020

Depot Dividendenrendite Jahr 2021

Depot Dividende 10 Jahre Kontinuität Jahr 2021

Depot Dividendenrendite Jahr 2022

Depot Dividende 10 Jahre Kontinuität Jahr 2022

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