Analyse von Aktienkennzahlen – Teil 6: PEG

PEG steht für Price/Earnings-to-Growth ratio oder auf Deutsch Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis. Da der englische Begriff meist auch im deutschen Sprachraum verwendet wird, werden wir im weiteren Verlauf auch mit der Bezeichnung PEG arbeiten.

Dieser Artikel beinhaltet zwei Auswertungen, nämlich die eigentliche PEG-Auswertung, sowie die Auswertung mit einem minimalen Gewinn je Aktie von mindestens 0,5 €. Dazu später mehr.

Kurzbeschreibung des PEG

Definition:

 PEG = \dfrac{KGV}{Wachstum}

Beispiele:

 PEG ABC AG = \dfrac{12,0}{12} = 1,0

Das PEG wird auch gerne als dynamisches KGV bezeichnet, da im gegensatz zum reine KGV nicht nur der statische Gewinn, sondern auch der Bezug zur Gewinnentwicklung mit einbezogen wird.

Sowohl das KGV im Zähler als auch das Gewinnwachstum im Nenner sind Schätzungen, die sich auf das Folgejahr beziehen. Ist der tatsächliche Gewinn nun beispielsweise geringer, so ist das tatsächliche KGV höher und das Gewinnwachstum kleiner. Dadurch erhöht sich das PEG deutlich, da zwei Stellschrauben darauf Einfluss nehmen.
Da das KGV mit einfließt, gelten selbstverständlich auch alle Aussagen, die beim KGV getroffen wurden.

Platzierung der PEG Depots

Während der Hintergrund des PEG Depots klar sein dürfte, dass nämlich die Aktien mit dem geringsten PEG aufgenommen werden, besteht beim PEG Depot 0,5€ noch Erklärungsbedarf. Dazu ein theoretisches Beispiel:
Gehen wir von folgenden, fiktiven Ergebnissen pro Aktie der letzten vier Jahre aus  5,00€ , -0,30€ , 0,01€  , 0,04€.
Zur Berechnung des Gewinnwachstums gehen die beiden letzten Werte ein, so dass sich ein Wachstum von 300% ergibt.
Gegenüber dem Gewinn  des ersten Jahres von 5€ je Aktie sind die 0,04€ sehr wenig. Das hohe Gewinnwachstum konnte nur zustande kommen, weil der Gewinn zuvor eingebrochen war.
Aus diesem Grund wurde noch ein Depot aufgenommen (das 0,5€-Depot), bei dem der zugrunde liegende Gewinn bei mindesten 0,5€ liegen muss, um ein extrem hohes Gewinnwachstum auszuschließen, das nur aufgrund eines sehr kleinen Basiswertes zustande kommt.

Die oben erwähnte Modifizierung mit dem 0,5€ Depot zeigt quasi gar keine Auswirkungen. Beide Depot liegen mit den Rängen 34 und 35 sehr eng zusammen.
Aber nicht nur die Tatsache, dass beide Depots annähernd gleich abschneiden ist erstaunlich, sondern auch dass sie sehr weit hinten plaziert sind, wo die Kennzahl doch eigentlich als sehr vielversprechend gehandelt wird.
Betrachten wir die Ergebnisse über die Jahre.

Jährliche Performance des PEG und des PEG 0,5€ Depots

Um Auffälligkeiten festzustellen ist im u.a. Auszug die Performance der PEG Depots farblich im Bezug zum Depot mit allen Aktien aufgeführt. Dabei haben die Farben folgende Bedeutung:

  • Gelbgrün: Performance Depot KGV mehr als 5% besser als das Depot mit allen Aktien.
  • Hellgrün: Performance Depot KGV zwischen 2% und 5% besser als das Depot mit allen Aktien.
  • Orange: Performance Depot KGV zwischen 2% und 5% schwächer als das Depot mit allen Aktien.
  • Rot: Performance Depot KGV mehr als 5% schwächer als das Depot mit allen Aktien.

Auch bei den PEG Depots ist kein direkter Zusammenhang zwischen dem Gesamtmarkt und der PEG Strategie zu erkennen.

Ein Blick auf die Performance der Einzelwerte

Stellvertretend für alle Auswertungen werfen wir einen Blick auf die Performance der Ausreisser des PEG Depots vom Ergebnis des Jahres 2014. Die anderen Jahre liefern ein ähnliches Bild.
Die ein oder andere Abweichung ist unausweichlich, da wir die reinen Ergebniswerte zugrunde legen, aber nicht darauf achten, inwiefern Sondereffekte Einfluss genommen haben.

„… denn sie wissen nicht, was sie tun“ ist ein Kultfilm aus dem Jahre 1955. Aber die Aussage des Titels, kann uneingeschränkt auf die Börse übertragen werden, sobald wir mit Schätzungen arbeiten.
Dazu kommt nun beim PEG, dass die Abweichungen doppelt in die Berechnung eingeht, worauf im ersten Abschnitt bereits hingewiesen wurde.
Ein Beispiel soll das verdeutlichen:
Die fiktive Firma Turbopower hat am 30.12.2020 einen Kurs von 30,00€. Das geschätzte Ergebnis je Aktie für 2021 beträgt 1,50€. Das Ergebnis je Aktie für das Jahr 2020 legt bei 1,00€ (zu beachten ist, dass auch dieses Ergebnis auf einer Schätzung beruht, da die endgültigen Ergebnisse erst im Folgejahr veröffentlicht werden, sofern das Geschäftjahresende dem Ende des Kalenderjahres entspricht. Aber natürlich sind diese Schätzungen bereits wesentlich genauer als die des Vorjahres, da viele Daten schon bekannt sind).
Mit den obigen Werten kommen wir auf ein erwartetes KGV 2021 von 20 (30€ / 1,50€) und einem Gewinnwachstum von 50% (1,50€/1,00€), was ein PEG von 0,4 (20 / 50) entspricht.
Jetzt stellen wir aber am 30.12.2021 fest, dass der Gewinn voraussichtlich nur bei 1,10€ liegt. Damit wäre das KGV 2021 bei 27,3 und das Gewinnwachstum nur 10%, womit wir auf ein PEG von 2,73 kommen. Mit diesem PEG wäre die Aktie nie ins PEG Depot aufgenommen worden.

Mit diesem Hintergrund wollen wir das PEG Depot des Jahres 2014 in Augenschein nehmen. Wir beginnen mit den Top-Performern:
Bei Dialog Semiconductor wurde ursprünglich ein Ergebnis für 2014 von 1,18€ erwartet, am Ende des Jahres wird nun 1,61€ erwartet. Dadurch sinkt das erwartete PEG von 0,2 (was bereits sehr gut ist) auf 0,08.
Bei Ströer Media trifft die Übererfüllung der Erwartung nicht zu. Statt einem Gewinn von 0,76€ wird Ende 2014 nur noch 0,54€ erwartet. Dennoch kann der Kurs über 80% zulegen. Wie lässt sich dieses Resultat erklären?
Es gibt zwei Gründe, die sich aus der Tabelle auslesen lassen:
Erstens war das erwartete PEG mit 0,04 bereits sehr gering, das neue PEG ist mit 0,08 immer noch ein ausgezeichneter Wert.
Weiter wirft jefer Anleger am Jahresende 2014 bereits einen Blick auf 2015. Bei Ströer wird für das Folgejahr von einer Gewinnsteigerung um mehr als 100% ausgegangen, was die Attraktivität der Aktie erklärt.
GAGFAH und Nordex toppen die Gewinnerwartungen, während Merck zwar etwas floppt, aber hohe Ansprüche für 2015 anmeldet.

Kommen wir zu den Verlierern:
Größter Verlierer ist Osram mit einer Jahresperformance von -32,8%. Das Ergebnis ist 2,28€ auf 1,80€ gesenkt worden. Dennoch beträgt das PEG nur 0,05 für 2014. Warum also der Kurssturz?
Das lässt sich beim Blick auf das erwartete Ergebnis für 2015 erklären. Hier sinkt das Ergebnis deutlich und das PEG für 2015 ist negativ.
Bei Rheinmetall, Lanxess und der Deutschen Bank werden die Ergebnisse deutlich verfehlt, bei Vossloh und Heidelberger Druck werden sogar Verluste entstehen.

Klar spielen auch andere Faktoren ein Rolle, aber prinzipiell lässt sich feststellen, das beim PEG die Erfüllung, bzw. Nichterfüllung der Prognosen die entscheidende Rolle spielt.
Ferner ist der Überprüfungszeitraum beim PEG Depot auf ein Jahr begrenzt, aber eigentlich sind wir als Anleger auf der Suche nach Unternehmen, die über Jahre hinweg wachsen und nicht nur ein Jahr lang überzeugen.

Auflistung der Daten

Im folgenden sind die Depotdaten der Analyse für jedes Jahr der Auswertung aufgeführt.
Sortiert wurde nach dem PEG jeder Aktie beginnend mit dem kleinsten PEG bei beiden Depots.
Beim Endwert sind die Dividenden mit eingerechnet.
Durch das Anklicken werden die Bilder im Vollbildmodus angezeigt, mit dem <Zurück-Button> des Browsers gelangen Sie auf die Artikelseite zurück.

PEG Depot 2014

PEG 0,5€ Depot 2014

PEG Depot 2015

PEG 0,5€ Depot 2015

PEG Depot 2016

PEG 0,5€ Depot 2016

PEG Depot 2017

PEG 0,5€ Depot 2017

PEG Depot 2018

PEG 0,5€ Depot 2018

PEG Depot 2019

PEG 0,5€ Depot 2019

PEG Depot 2020

PEG 0,5€ Depot 2020

PEG Depot 2021

PEG 0,5€ Depot 2021

PEG Depot 2022

PEG 0,5€ Depot 2022

 

1 Kommentar

  1. Hallo Matthias,

    sehr aufwändige Arbeit, aber wie sagte schon Eugene Francis Fama, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften:
    alle Informationen sind im Kurs enthalten.
    Aus diesem Grund spare ich mir diese Fundamental-Analysen und vertraue auf die Technische Analyse.
    Mit freundlichen Grüßen
    Rainer

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